Leben und leben lassen...

Tuesday, November 01, 2005

Der Tod spricht nicht

Der 31. Oktober - Halloween. Es begann langsam dunkel zu werden. Das Abendgrauen legte sich über die Stadt. Langsam schlichen sich Gerippe, Kettensägenmörder, blutverschmierte und maskierte Gestalten durch die Gärten. Unter ihnen ein paar Aschenputtel, Schneewittchen, Zimmermädchen und niedliche kleine Tiere vor denen man sich nicht so fürtchen mußte. Obwohl auch die einen stechenden Blick drauf hatten, wenn sie laut und deutlich klingelten, klopften, gegen die Tür traten und "Trick or Treat" quiekten.

Ich hatte alles vorbereitet. Haus geschützt mit den schönsten Äpfeln der Welt, Geister vertrieben mit den schrecklichsten Katzengestalten der Welt, "Enter if you dare"-Banner aufgehangen und einen Hexenbesen im Spinnennetz versteckt, falls wir schnell abhauen müßten...und das allerwichtigste, ich hatte gut drei Kilo Süßigkeiten gekauft, um gegen Streiche sicher zu sein. Hat übrigens nicht ganz geklappt, ein paar unserer Laternen und unsere Haustür mußten trotzdem dran glauben!

Das erste Klingeln. Der "Scream-Mörder" und seine süße Giraffenfreundin sind brav und süß und bekommen eine handvoll Süßes in ihre Tüten. Dann geht es Schlag auf Schlag. Tausend grausige Figuren greifen, schnappen, sind hitzig - aber ich überlebe.

Gegen acht konnte Darth Vader seine Süßigkeitentüte nicht mehr selbst tragen und hatte daher einen Angestellten dabei, ich vermute seine Mutter, die die Tüte brav hinhalten mußte, wenn es was Süßes gab. Ansonsten war Darth sehr nett. Grinste. Wünschte "Happy Halloween" und bekundete, dass ich sehr gut aussah. Unglaublich wie leicht die dunkle Macht einen um den Finger wicklen kann, vor allem bei einem Meter zwanzig Größe. Gab dann noch ein KitKat extra.

Gegen halb neun, hatte ich dann ein Rendezvous mit dem Tod. Der Tod spricht nicht. Er klopft. Sense in der einen, Süßigkeitentüte in der anderen Hand, stand er vor mir. Ganz in schwarz, nicht mal ein Gesicht war zu sehen, nur eine schwarze Leere. Sobald ich mich hinkniete um ihm besser in sein leeres Gesicht schauen zu können wurde blitzschnell die Tütenhand herausgestreckt. Süßigkeiten rein. Hand zurück. Da drehte sich der Tod auch schon um und war im Dunkel unseres Gartens verschwunden. Eine Begegnung der besonderen Art. Ich frage mich noch immer wer von uns beiden wohl mehr Angst hatte.

Um neun wurde dann Aschenputtel vorgefahren. Im Kinderwagen. Sackte mit ihren strammen 6 Monaten das bischen Süße ein, was noch übrig war und fuhr sogleich weiter zu ihrem Schloss. Vermute ich. Was macht Baby-Aschenputtel jetzt eigentlich noch wach auf der Straße?

Ich war übrigens ganz toll verkleidet - fanden die anderen. Ich hatte mein ECHTES deutsches Dirndl an.