Das Telefon und ich
Tja, es ist passiert. Ich dachte nie, dass mir sowas jemals passieren würde. Denn eigentlich gibt es dafür überhaupt keine Grundlage...Ich hasse es zu telefonieren, also versuche ich mich auch immer um jedes Telefon herumzuschleichen und es nicht anzusehen, damit es nicht aus Versehen losklingelt. Wie es der Beruf halt manchmal so mit sich bringt, muss ich in letzer Zeit sehr oft ans Telefon gehen. Ist ja nicht so schwer: "Firma, Vorname, Nachname, Guten Tag" und lächeln, lächeln, lächeln - egal was passiert. Die meisten Menschen sind übrigens äußerst unfreundlich, sobald sie einen Telefonhörer in die Hand nehmen, ist mir vorher noch nie aufgefallen, ist aber so. Also, man macht das ein paar hundert Mal am Tag und hat schon so ein eingefrorenes Lächeln auf der Lippe, ob mit oder ohne Telefon. So, jetzt kommt´s: ich gehe zu Hause ans Telefon, "Firma, Vorname, Nachname, Guten Abend" und lächeln, lächeln, lächeln - Stille, eine lange, grausame und kalte Stille - dann ein zaghaftes "hallo? - bist du´s?".
Oh mein Gott - was sagt das wohl über mich, meine Arbeit, mein Telefonieren, meine Einstellung und mein Leben aus? Ich war geschockt. Ich trage meine Arbeit mit nach Hause, ich bin ein Magengeschwür-Herzinfarkt Patient in spe. Ich kann nicht mehr unterscheiden wo ich bin, was ich mache, wer ich bin...ich sah mich schon in Gedanken mit Blaulicht ins Krankenhaus rasen, besser noch in die Irrenanstalt. Mein Ich war weg - kurzzeitig war da nur dieses fremde Wesen von der Arbeit in mir, es hatte gewonnen, ein bischen jedenfalls.
Aber wenn ich es im Nachhinein betrachte, war es wahrscheinlich ein Zufall oder ein Versehen, so wie wenn das Telefon zufällig klingelt, wenn ich es ansehe! Nichts weiter. Eine Synapse im Hirn falsch geschaltet, zufälligerweise. Was sagt sowas schon aus? Ich bin ich - hier und dort - hin und fort...


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